Samstag, 24. Juli 2010

Weiland im Picasso

Es begab sich aber zu der Zeit, dass die Herren Otto W, Peter K und Peter P sich in die Rendsburger Innenstadt begaben, um sich schätzen zu lassen, beziehungsweise einige Cappuccini und Espressi zu sich zu nehmen.


Zum Zweck des billigen Amüsements brachte einer der Gefährten - wer es war, verschweigt hier die Erinnerung – beim geselligen Zusammensein das Thema vom „Zeichner und den Damen" ins Spiel und lud zu Kommentar und Einwurf. Tenor sollte ein in der Gruppenerfahrung eher zweifelhaft belegter Zweizeiler sein:


Als ein Zeichner hast Du’s gut,

bringst die Frauen leicht in Glut.


Wenns auch gelogen ist – sei's drum! Das fing doch schon gut an und wollte ausgeführt werden. Alles weitere Dichten und Drängen sollte unter folgendem versbucklichten Motto stehen:


Bist Du auf die Weiber scharf,

greife zum Zei-chen-be-darf.


Damit lag Musik in der Luft und ebenso Zigarrenrauch. Moustachehaare sanken leis ergraut zu Boden, während die Versammelten sich zu folgenden Eingangsstatements hingerissen sahen:


PK:

Willst Du eine Frau begeistern,

tu ihr eine Karte kleistern.


OW

Willst Du eine Frau erweichen,

schicke ihr ein Kartenzeichen.


PP

Willst Du eine Frau beglücken,

mußt Du eine Karte schücken.


Danach war verständlicherweise erstmal Pause. Doch schon drei, vier Tässchen später wurde koffeingeschwängert weiter gedichtet – das Reimschema war ja schließlich gefunden.


Willst du eine Frau erobern,

mußte mit 'ner Karte kobern.


Schick 'ne Karte, sei nicht doof,

mach der Frau damit den Hof.


Hast' auf viele Frauen Bock?

Kauf' Dir einen Karten-Block!


Das Frauenherz ist leicht entflammt,

wenn Bilder Du aufs Blatt gebannt.


Soviel zur Grunderfahrung der drei Herren in den besten Jahren und in der Stunde zwischen Frühstück und lockendem Mittagessen. Genau der rechte Zeitpunkt also für die Schilderung von Feinheiten und Details des zeichnenden Umwerbens:


Ist die Karte groß und bunt,

geht’s am Abend ganz schön rund.


Willst Du heftig es und schnell,

schicke ihr ein Aquarell.


Am allerliebsten sie Dich hat,

schickst Du ihr ein Großformat.


Schickst Du ihr ein Bild in Öl,

stürzt sie auf Dich mit Gebröll.


Ist so süß sie wie ein Gift,

greife Du zum Silberstift.


Sie wird immer bei Dir sein,

schickst Du ihr ’nen Lithostein.


Erneute Pause, Nachladen von Rauchgut und Espressobomben, außerdem Spitzen der Stifte und Berauschen der Sinne. Jetzt wurde es nämlich schwieriger. Es galt, die Themenbereiche "Richtig und Falsch" sowie "Aus der Fremde" zu bedichten. Unsere "Drei Spezialisten" wären aber nicht unsere "Drei Spezialisten", wüßten sie nicht auch hierzu reichhaltige Erfahrungen herbeizulügen.


Schickst Du Karten im Karton,

läuft sie Dir nicht mehr davon.


Schickst Du ihr die Tinte flüssig,

wird sie Deiner überdrüssig.


Ätzradierung kommt gut an,

schickst Du sie an einen Mann.


Dann aber war es soweit. Die Sonne stand im Zenit über dem Dichtertisch. Die Leiber knurrten, die Kaffeehaus-Rechnungen wurden beglichen, das herbeiphantasierte Mittagessen rief die Herren heim. Und so floss in letzter lyrischer Zuckung das Motiv des Abschieds ins Gedichte:


Kannst Du keine Karte schicken,

kannst Du die Beziehung knicken.


Hast Du eine Frau dann satt,

schicke ihr ein leeres Blatt.


So wars, ich schwörs Euch zu. Nichts ist hinzugefügt, nichts weggelassen worden, sondern alles so wieder vorgefunden im Skizzenbuch mit Eintrag "23.8.07" vom Chronisten

Dr. Panne

Kommentare:

Gremling hat gesagt…

Lieber Panne,
sehr schön: pannisch, krusoid, weckerlesk!
Klasse Fund und herzlichen Dank fürs Aufbereiten und Herzeigen sagt
Christoph

rendsburger hat gesagt…

Kriegen wir jetzt den Ingeborg-Bachmann-Preis? Szenische Lesung mit verteilten Rollen im Olympia-Stadion?
Den Lit.-Nobelpreis nehm ich aber nicht. Hab keine Krawatte(Fliege?) für den Ball.
PK aus S

rendsburger hat gesagt…

Fliege!

:-) Panne